Tropes – Das Gute, das Schlechte und das Übertriebene

Was sind Tropes? Diese Frage werden sich jetzt sicher einige stellen. Dabei kennt sie jeder. Und der Leser spürt, ob sie klug eingesetzt wurden oder nicht.

Tropes

Tropes? Wer kennt denn so was?

Eines vorweg: Die Artikelidee ist geklaut. Ich verfolge schon seit längerer Zeit das Blog von Tauri Cox und bin dort auch zum ersten Mal über den Begriff Tropes gestolpert. Obwohl ich den Begriff nicht kannte, war mir schnell klar, was sie bedeuten und wie sie einer Geschichte die richtige Würze geben oder sie komplett versalzen. Aber genug der Kochmetaphern. Da es immer schöner ist, über ein Thema in seiner Muttersprache zu lesen, greife ich hier Tauris Beitrag einmal auf und gehe auf die wichtigsten Tropes ein. Allerdings lohnt sich ebenfalls ein Blick auf das Periodensystem von James Harris. Hier versucht er allen existierenden Tropes gerecht zu werden. Ob ihm das gelungen ist? Urteilt selbst.

Was sagt Wikipedia?

Die deutsche Seite recht wenig. Zugegeben. Zumindest ist das, was dort über den Tropus/die Trope gesagt wird, nicht annähernd so erhellend, wie auf der englischen Seite. Übrigens, die Mehrzahl von Trope ist in unserer Sprache eigentlich Tropen. Mir gefällt das englische Tropes da aber deutlich besser. Ich erlaube mir, die englische Definition für euch zu übersetzen:

Eine literarische Trope ist die Verwendung einer bildlichen Sprache über Wort, Satz oder Bild für künstlerische Zwecke, wie z.B. die Verwendung einer Redewendung. Das Wort Trope ist auch zur Beschreibung von häufig wiederkehrenden literarischen und rhetorischen Mitteln, Motiven oder Klischees in kreativen Werken verwendet worden.     Quelle: englische Wikipedia

Hm, klingt toll. Auf jeden Fall hoch literarisch. Aber wie und wo tauchen Tropes (ja, ich weiß) in Geschichten denn jetzt auf? Kommen wir mal zu den Tropes, die Tauri und mich in Geschichten (mittlerweile) abtörnen.

Tropes extrem: Vampire, Werwölfe, Mittelalter und BDSM

Hat es eigentlich erst mit Twilight angefangen, oder gab es da schon vorher etwas? Ich weiß es gar nicht so genau. Scheinbar ist auch Sadomaso erst seit dann richtig im Gespräch gewesen, als die verschiedenen Grautöne die Leselandschaft vollklecksten. Game of Thrones? Auch so was. Eigentlich gehören noch nicht einmal die Originale zu den Tropes, die mich nerven. Es sind die ganzen abgekupferten Werke, die aus dem Boden schießen wie Champignons nach einer feuchtwarmen Spätsommernacht. Ungefähr so, wie (gefühlte) tausend Kochshows im Fernsehen. Wenn ein Konzept Erfolg hat, muss man es wirklich unbedingt bis zum Erbrechen wiederholen? Eindeutig die Tropes, die auf Platz 1 meiner Top Ten der Negativ-Beispiele stehen.

Wenn wir schon dabei sind…

…, dann räumen wir ebenfalls mit einem anderen prominenten Beispiel auf. Wovon ich spreche? Von Auserwählten und Zauberern. Oder auserwählten Zauberern. Das ist ebenfalls ein Beispiel der Tropes, wo es eindeutig übertrieben wird.

Ermittler-Duo, Rechtsmediziner und Regionalkrimis

Auch wenn mich viele jetzt gerne erschlagen würden – es nervt langsam. Gibt es Tropes, die im Augenblick noch mehr ausgelutscht sind? Dabei sind sehr viele der Geschichten wirklich unterhaltsam. Leider sind es inzwischen so viele, dass sich der ein und derselbe Aufguss immer wieder durch den Filter läuft. Und sich dabei von Mal zu Mal mehr verwässert. Was interessiert es mich, ob auf einer ostfriesischen Scholle ein Bauer mit der Mistgabel erschlagen wird? Erst recht nicht, dass zwei gelangweilte Polizisten einer Mini-Wache ihre große Gelegenheit wittern und den Fall aufklären. Natürlich, weil die (vielleicht) informierte Kriminalpolizei der nächsten Stadt zu dusselig dazu ist. Ermittelnde Rechtsmediziner ist auch so ein Quatsch. Das würde im wahren Leben niemals vorkommen. Was in der Serie Tatort (noch) funktioniert, wird in Büchern meistens ab Absurdum geführt.

Sie schlugen und sie küssten sich

Jetzt mal ehrlich. Darauf baut doch fast jeder Liebesroman auf. Gut, es muss halt Konflikte geben, um eine Geschichte auf die Beine zu bringen. Das verstehe ich. Aber immer der Quatsch: Boah, ich kann dich überhaupt nicht leiden, trotzdem finde ich dich äußerst attraktiv. Das hat bei Meg Ryan und Tom Hanks in E-Mail für dich damals zwar gut funktioniert, nimmt aber schon sehr viele Jahre ein wenig überhand. Subjektive Meinung, natürlich. Ich bin halt nicht so ein Fan von Liebesromanen. Trotzdem gibt es natürlich jede Menge Leser, die das anderes sehen. Und das ist auch gut so. Ich würde wahrscheinlich bei solch einer Geschichte die moralisch bedenklichere Variante nehmen. Zwei Liebende, die sich erst ihrer aktuellen Partner entledigen müssen, um zusammen glücklich zu werden. Gehört aber sicher auch schon zu den Tropes.

Alles nur geträumt

Ich erinnere mich noch gut an das Serienfinale der Sitcom Roseanne. Dinge, die in der Familie geschehen waren, wurden auf einmal Abrede gestellt. Die fiktive Roseanne hatte sich als Schriftstellerin ihr Leben quasi zurechtgeschrieben. Oder der Tod von Bobby Ewing in Dallas. Die Älteren unter uns erinnern sich noch. Auch einer der Tropes, der die Zuschauer sprachlos und wütend zurücklassen. Egal, welche Geschichte man erzählt, sie sollte die Zuschauer oder auch den Leser auf keinen Fall an der Nase herumführen. Ein schlechter Nachgeschmack bleibt bei ihm immer zurück.

Anti-Helden – die effektiven Tropes

Der Antagonist sollte niemals ganz böse sein. Das hat sich sicher bereits herumgesprochen. Im Prinzip geht es ihm wie alles Klischees. Denn die sind selten interessant. Und durchaus selten. Ich will jetzt nicht psychologisch werden à la: Kein Mensch ist durch und durch böse. Jedoch wirkt ein Charakter, der wenig vielschichtig ist, nicht besonders überzeugend auf den Leser. Daher liebt er es, selbst dem Schlechten etwas Gutes abzugewinnen. Diese Offenlegung eines Charakters kann sich durchaus auch erst später in der Geschichte zeigen. Der bekehrte Bösewicht gehört auch in die Kategorie dieser Tropes.

Welche Tropes gibt es noch? Wahrscheinlich kommt jeder dabei zu anderen Ergebnissen. Mörder mit einer ach so unglücklichen Kindheit? Sicher einer der sehr beanspruchten Tropes. Kann ein Serienmörder nicht einfach nur Spaß an dem haben, was er tut? Ein Serienmörder, der in seiner Freizeit Wale rettet und nervende Nachbarn umbringt. Das wäre mal was.

Was für Tropes fallen euch ein? Welche liebt ihr und auf welche könnt ihr locker verzichten?

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Required fields are marked *.