Schauplätze – Wie genau ist zu genau?

In der Oberstufe musste ich Goethes “Italienische Reise” lesen. Nicht, dass ich schöne Landschaftsbeschreibungen nicht zu schätzen weiß – in einem Reiseführer. In einem Roman stören diese ausufernd beschriebenen Schauplätze meine persönliche Spannungskurve. Soll ich meinen Lesern das zumuten, was ich selbst nicht mag?

Schauplätze

Show, don’t tell – und wie man es übertreiben kann

Geschichten müssen mich in Bewegung halten, damit ich nicht die Lust verliere. Damit meine ich nicht zwangsläufig die Knaller-Action, die Schlag auf Schlag immer mehr Ereignisse aufwirft. Bei so etwas ertappe ich mich schon mal dabei, zurückblättern zu müssen, weil ich scheinbar ein wichtiges Detail übersehen habe, was sich manchmal einfach als Logikfehler der Geschichte entpuppt. Nein, ich meine eher das Gegenteil. Seitenweise Beschreibungen der Schauplätze vermitteln mir zwar ein genaues Bild und der Atmosphäre des Ortes, an dem die Geschichte stattfindet, leidet fehlt ein wichtiger Faktor: Die Spannung. Schauplätze sind leider nur begrenzt spannend.

Es gibt doch so viele gruselige Schauplätze?

Zweifellos. Aber wenn an ihnen nichts geschieht, dann verliert sich die Spannung ziemlich schnell. Beispiel? Vor ein paar Jahren habe ich mit meinem Freund eine alte, verlassene Kaserne besucht. Leider ist das passiert, was meistens an solchen Orten passiert. Es wurde alles herausgerissen und zerschlagen. Die Größe des Geländes, die abgelegene Lage und das Ausmaß der Zerstörung, solche Schauplätze sind eine Steilvorlage für die besten Geschichten. Wir haben eine ganze Weile auf dem Innenhof gestanden und die Atmosphäre auf uns wirken lassen. Was passierte dann? Es wurde langweilig.

Schauplätze sind wichtig, aber nur ein Transportmittel

Die Frage der Schauplätze stellt sich mir im Moment auch. In meiner neuen Geschichte habe ich natürlich wieder einige davon. Wie viel ich dem Leser von ihren Besonderheiten verrate, hat viel mit dem Tenor der Geschichte zu tun. Natürlich muss ich die Schauplätze eines Mystery-Thrillers anders beschreiben als die meiner Nachbarschaftsgeschichten. Wie es genau im Wohnzimmer von Adalbert Wackernagel aussieht, ist für die Geschichte und ihre Stimmung nicht wichtig. Wenn ich vorhabe, genau in diesem Wohnzimmer eine Tanzaufführung mit einem Varieté-Ensemble stattfinden zu lassen, sollte ich es etwas näher beschreiben, damit der Leser weiß, wie er sich das vorzustellen hat. Alles darüber hinaus ist Ballast, der unnütz von der Geschichte ablenkt.

Trotzdem hier ein paar Anregungen, wie man einen Schauplatz beschreiben kann.

Keine Regel ohne Ausnahme. Natürlich. Bei den Büchern von Tana French kann ich mich an ihren atmosphärisch dichten Beschreibungen nicht sattlesen.

 

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