Pseudonym – der Spaß an der zweiten Persönlichkeit

Ich schreibe als A.C. Scharp Bücher voll mit schwarzem Humor. Wie ihr euch sicher denken könnt, ist A.C. Scharp ein Pseudonym. Denn hey, wer heißt schon so im realen Leben? Warum habe ich mich für ein Pseudonym entschieden. Welche Vorteile und natürlich auch Nachteile habe ich dadurch?

Pseudonym

Die konfliktfreie Welt der fremden Identität?

Unter einem Pseudonym zu schreiben stand für mich von Anfang an fest. Erstens finde ich meinen bürgerlichen Namen zu langweilig für das, was ich schreibe, und zweitens will ich draußen nicht auf meine Bücher angesprochen werden. Mir ist es einfach nicht so nach Aufmerksamkeit. Außerdem möchte ich frei von der Leber weg schreiben, ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob sich meine Eltern vielleicht gerade für mich schämen. Das Pseudonym ist wie eine neue Jeans, die dir perfekt passt und deinen Körper genau in die richtige Form bringt. Allerdings finde ich es im realen Leben überraschend schwierig, damit zu hantieren. Ich komme immer wieder mit meinem wirklichen Ich in Konflikt.

Kann ich schreiben, was ich will?

Wenn ich morgen erotische Gay-Geschichten für jodelnde Windsurfer schreiben möchte, dann überlege ich mir einen neuen, knackigen Namen und zack – los geht’s. Trotzdem kann ich morgens unbehelligt in mein Brötchen beißen und mit meinen Nachbarn am Briefkasten plaudern, während bei Facebook der Sturm der Hater über mich hereinbricht. Juckt mich aber nicht, da keiner weiß, wer sich unter Detlef Hammerdinger verbirgt. Ein Pseudonym nimmt einem ein wenig dir Verantwortung für die eigene Handlungsweise. Zumindest denkt man das. Ist nur leider nicht wahr. Es wäre natürlich schön, jegliche Verantwortung mit einem Pseudonym ablegen zu können. Fakt ist jedoch, mit unterschiedlichen Identitäten zu hantieren, beinhaltet ein hohes Maß an Selbstverantwortung.

Pseudonym und Social Media

Ich bin kein wirklicher Fan von Social-Media. Ich betreibe natürlich eine Facebook-Seite für A.C. Scharp, bin aber weit davon entfernt, regelmäßig zu posten. Ob das elementar ist, um erfolgreich zu sein, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich hoffe nicht. Tatsächlich gibt es Autoren, die sich Facebook, Instagram, Twitter und Co. verweigern und trotzdem gelesen werden. Dennoch musste ich mir vor geraumer Zeit die Frage stellen, ob ich in Gruppen unter meinem Pseudonym oder meinem richtigen Namen auftreten soll. Leider kann man als Facebook-Seite nur bei einer anderen Seite posten, nicht aber in einer Gruppe. Dafür braucht man ein Profil. Fake-Profile sind verboten. Gut, mal ehrlich, wen interessiert das? Obwohl natürlich immer die Gefahr besteht, dass dein Profil mit deinem Pseudonym gesperrt wird.

Wer bin ich gerade im Moment?

Sobald man postet, vertritt man eine Meinung. Manchmal ist die aber nicht sonderlich populär. Als Autor möchte man jedoch genau das sein. Daher ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, wie man sich positionieren will. Dafür habe ich eine Zeit gebraucht. Es besteht immer die Gefahr, sein Pseudonym zu beflecken und damit seine Verkäufe zu gefährden. Meinem echten Namen möchte ich im Netz natürlich auch nicht verbrennen. Mit dem habe mich mittlerweile zur vornehmen Zurückhaltung entschlossen. Wenn ich etwas kommentiere, ist es vernünftig, salbungsvoll und ausgewogen. Und äußerst selten. Unter meinem Pseudonym A.C. Scharp poste ich nichts mehr. Das werde ich mit keinem noch folgenden Pseudonym mehr tun.

Falsche Identität im richtigen Leben

Ein weiteres Problem, welches ich – zumindest im Augenblick – noch nicht habe, ist das Auftreten in der Öffentlichkeit. Irgendwann wird sich vielleicht auch mir die Frage stellen, wer ich bei öffentlichen Veranstaltungen und Lesungen sein werde. Ein falscher Namen bedeutet halt kein falsches Gesicht, solange ich mir keine Maske überziehe. Da ich aber weder der Sänger Crow bin, noch als verrückt eingestuft werden möchte, werde ich dann eine Entscheidung mal treffen müssen. Heute weiß ich noch nicht, wie ich mich dann entscheiden werde. Einmal wurde sie mir allerdings abgenommen, als ein Zeitungsartikel in einer regionalen Zeitung über mich und das Gemetzel erschien. Obwohl ich dem Redakteur ausdrücklich gesagt hatte, meinen echten Namen nicht öffentlich zu machen, hat er genau das getan. Auf diesen Artikel gab es jedoch nicht so viel Resonanz, um sich ernsthaft Sorgen machen zu müssen. Oder einfacher: Es hat kein Schwein interessiert.

Auf jeden Topf einen Deckel

Anfangs ging es mir ausschließlich darum, meine Privatsphäre zu wahren. Mittlerweile ist noch eine weitere Motivation dazugekommen, bei meinem Pseudonym zu bleiben. Ich möchte im Sommer ein neues Genre ausprobieren. Das wird nichts mit schwarzem Humor zu tun haben. Daher habe ich mir bereits ein neues Pseudonym überlegt. Das hat einen entscheidenden Vorteil. Die Leser, die meine Bücher gerade wegen ihrer Absurdität lesen, sind nicht enttäuscht, wenn sie plötzlich auf ein komplett anderes Genre stoßen als das, was sie erwartet haben. So könnte ich ein Dutzend Stilrichtungen ausprobieren, wenn ich Lust dazu hätte. Natürlich tue ich das nicht. Obwohl es durchaus Autoren gibt, die damit erfolgreich sind. Ich halte das für mich aber nicht für den richtigen Weg. Schreiben ist mein Hobby und nicht mein Vollzeitjob. Viele verschiedenen Pseudonyme verlangen auch viel Futter, sonst hat man nachher in jedem Genre nur einen Titel. Zuwenig, um sich in einer Kategorie einen Namen zu machen. Keinen Namen, keine Fanbase, keine Verkäufe.

Offenes, geschlossenes oder kein Pseudonym – eine Glaubensfrage

In diversen Facebook-Gruppen taucht immer mal wieder die Diskussion auf, ob ein Pseudonym sinnvoll ist oder nicht. Darüber lässt sich wahrlich trefflich streiten, wie der dort manchmal sehr raue Umgangston deutlich zeigt. Dabei gibt eine nur eine Wahrheit, die die richtige ist: Es muss jeder für sich selbst entscheiden. Was für den einen von Vorteil ist, entpuppt sich für jemand anderen als Nachteil. Deswegen einfach ausprobieren. Man kann es immer nochmal ändern, wenn es einem nicht zusagt. Wie letztes Jahr geschehen bei dem leider kurz danach verstorbenen Dieter Paul Rudolph. Trotzdem ist seine Sicht der Dinge über das Pseudonym immer noch absolut lesenswert.

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