Keine Angst vorm Zwiegespräch – Einfach gute Dialoge

Mir machten Dialoge immer Angst. Vielleicht hatte ich ja nichts zu sagen. Dachte ich auf jeden Fall. Bis ich meine Taktik geändert habe, um einfach gute Dialoge zu bekommen.

Einfach gute Dialoge

Schreib, wie du sprichst? So einfach ist das nicht.

Einfach gute Dialoge? Hier trennt sich die Spreu vom Weizen und man erkennt den Laien unter den Profis. So sagt man. Das ist natürlich erst einmal furchterregend und hat mir meine erste große Schreibblockade eingebrockt. Je mehr ich versuchte, meine Figuren lässig hingeworfen sprechen zu lassen, umso hölzern und gestelzter hörte es sich an. Daher vermied ich anfangs jegliche Gespräche zwischen meinen Figuren, was meinen Text natürlich erst recht nicht lebendiger machte. Hatte ich kein Talent? Vielleicht sollte ich es lassen? Das war jedoch keine Option für mich. Daher änderte ich kurzerhand meine Vorgehensweise.

Einfach gute Dialoge sind eben keine Alltagssprache!

Das habe ich immer geglaubt. Stimmt aber nicht. Alltagssprache eignet sich in den seltensten Fällen zur Niederschrift. Man kann das natürlich traurig finden. Es sagt vielleicht sogar viel darüber aus, wie wir mit unserer schönen Sprache umgehen. Fakt ist aber, im Alltag lieben wir es eher bequem. Warum sollten wir unnötig Sätze bilden, wenn unser Gegenüber mit einem abgehackten Satzfetzen ebenso versteht, worum es geht. Auf dem Papier sieht das dann allerdings nicht mehr so gut aus. Und verstehen tut es dann auch keiner mehr so richtig. Scheinbar muss man sich doch etwas mehr Mühe geben.

Also wie jetzt? Dialoge doch richtig ausformulieren?

Ja. Zumindest so viel, wie es für das Verständnis des Satzes notwendig ist. Füllwörter haben nichts darin zu suchen, ebensowenig wie Floskeln und nichtssagendes Geschwätz. Der Dialog in einer Geschichte sollte einen Sinn haben und auf ein Ziel ansteuern. Er treibt das Geschehen voran und gibt dem Leser wichtige Informationen über die Handlung. Aber lasst ihn boß nicht zu einem Monolog ausarten. Seht ihn als ein Pingpong, bei dem der Tischtennisball immer wieder die Seiten wechselt. Das bringt Leben in die Sache. Allerdings keinen Dialog nur der Unterhaltung willen. Wenn er dem Leser keine Information zur Handlung liefert, lasst ihn weg.

Klingen dann nicht alle Charaktere gleich?

Nein. Auch ohne Füllwörter, Floskeln und Geschwafel gibt es Möglichkeiten, seiner Figur mittels der Sprache einen Stempel aufzudrücken. Nur hier sollte man vorsichtig sein und es mit Slang, sprachlichen Eigenarten und Dialekten nicht übertreiben. In der Regel reichen Andeutungen, die dem Leser ein Bild von deinem Charakter vermitteln. In meinem aktuellen Projekt spielt ein polnischer Gärtner eine nicht unerhebliche Rolle. Ich stehe also vor der Aufgabe, dem Leser seine Nationalität durch die Sprache näher zu bringen. Selbstverständlich habe ich ihn anfangs als Pole vorgestellt. Das reicht natürlich nicht. Auch nicht, wenn man kein Klischee bedienen will. Sonst hätte ich ihn ja auch einfach deutsch sein lassen können. Also habe ich mir in einen Film angehört, wie ein Pole die deutsche Sprache spricht, wenn er nicht hier geboren und aufgewachsen ist. Davon habe ich mir die charakteristischsten Merkmale genommen und in meine Dialoge eingebaut.

Einfach gute Dialoge schreiben ohne Krampf.

Nicht so viel nachdenken. Auf jeden Fall nicht, wenn du schreibst. Vorher natürlich schon. Du solltest schon wissen, wohin die Szene führt und was deine Figuren für sprachliche Eigenheiten haben. Die erfährst du am besten bei einer Einladung. Löse dich beim Schreiben aber von der Sucht, den perfekten Dialog zu schreiben. Lass dich von deinem Gefühl leiten und die Wörter einfach fließen. Geniale Momente kommen am ehesten dann, wenn du den Kopf und seine Grübeleien abschaltest.

TIPP: Fernsehen ist immer eine gute Möglichkeit, sprachliche Marotten zu entdecken und sich Inspiration für deine Charaktere zu holen. Halte also deinen Notizblock bereit. Wenn du sowieso einen Film schaust, kannst du das Angenehme direkt mit dem Nützlichen verbinden. Auch Drehbuchautoren sind Autoren, die sich über ihre Dialoge Gedanken machen.

 

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