Der Freewrite – Ich habe die Zukunft gesehen

Der Freewrite wird als DAS ablenkungsfreie Schreibgerät angeboten. Aber wie sinnvoll ist das Schreiben mit diesem teuren Gadget überhaupt?

© Astrohaus

Der Freewrite. Es kribbelt in den Fingern.

Ich bin Technik-Freak. Das gebe ich unumwunden zu. Ich könnte das ganze Haus mit Elektronik zupflastern. Daher wurde ich natürlich sofort hellhörig, als ich Ende 2014 in einem Crowdfunding-Projekt von dem Freewrite erfuhr, der zu dieser Zeit noch Hemingwrite hieß. Trotzdem hielt ich mich mit dem Kauf noch zurück, als das Gerät im März 2016 dann endlich lieferbar war. Ich wollte die ersten Erfahrungsberichte abwarten. Die waren leider nicht so positiv wie erhofft. Trotzdem konnte ich mich letzten November dann doch nicht mehr zurückhalten und habe mir bei Astrohaus den Freewrite bestellt.

Eine echte Hilfe?

Eines vorweg: Der Freewrite ist erstklassig verarbeitet. Man bekommt auf jeden Fall etwas für sein Geld. Das Aluminiumgehäuse hat eine tolle Haptik und Fan von Cherry-Tastaturen war ich schon immer. Daran konnte es also nicht liegen, dass mir die 475 € zzgl. 27,50 € Versand und 120 € Zollgebühren im Magen lagen. Auch der kleine Bildschirm störte mich nicht, da ich vorher bereits mit dem Neo Alphasmart gearbeitet habe. Im Endeffekt sind es zwei Dinge, mit denen ich nicht zurechtkomme:

  • Das Gerät ist zum Mitnehmen viel zu groß und zu unhandlich.
  • Ich kann im Text nicht zurückspringen, um ein Wort zu korrigieren.

Moment! Was das nicht eines der Hauptargumente, mit dem für den Freewrite geworben wurde? Zweifellos. Das bedeutet jedoch nicht, dass mich das glücklicher macht. Natürlich wusste ich das vorher, aber ich hätte nicht gedacht, dass mich das SO sehr stören würde. Ok, den inneren Kritiker ausschalten und den Erstentwurf einfach drauflos schreiben. Geschenkt. Unterschreibe ich. Das bringt einen nämlich wirklich voran. Aber trotzdem stören mich eklatante Rechtschreibfehler, wenn ich sie sehe. Das kann ich nicht abschalten. Ich habe das Verlangen, die sofort zu korrigieren, sonst fühle ich mich nicht wohl. Und wenn ich mich nicht wohl fühle, geht es mit dem Schreiben auch nicht voran.

Schreibgefühl oder Schreibkrampf?

Ich halte viel von Cherry-Tastaturen, das habe ich schon erwähnt. Ich liebe es ebenso, wenn ich die Tasten beim Schreiben klackern höre. Aber beim Freewrite komme ich damit einfach nicht zurecht. Das liegt weniger an der Tastatur an sich, als an dem Neigungswinkel. Für mein Empfinden ist der zu stark und ermöglicht mir keine bequeme Schreibposition. Das Schreiben wird krampfig und ich vertippe mich auch häufiger. Das ist natürlich mit der fehlenden Korrekturmöglichkeit eine für mich mehr als unglückliche Kombination. Du kommst nicht richtig voran, du bist mit deinem Satz im Kopf schon weit voraus und kannst ihn nicht schnell genug auf den Bildschirm bringen. Überhaupt kann der Freewrite mit schnellem Tippen sowieso schlecht umgehen, da die Buchstaben immer etwas zeitverzögert auf dem Bildschirm erscheinen.

Ein Must-have oder ein Nice-to-have?

Eines ist sicher: Mit dem Freewrite fällst du draußen auf jeden Fall auf. Nur weiß ich nicht, ob ich das gut finden soll. Es ist schon ziemlich lästig von Leuten angesprochen zu werden, die ihre Neugierde befriedigen möchten. Das ist prinzipiell in Ordnung, aber ich will ja konzentriert Schreiben und keine Fragen beantworten. Außerdem ist das Gerät trotz seines Griffes zu sperrig. Ich habe immer Angst, ich könnte irgendwo anschlagen und es beschädigen. Es ist traurig, dass Astrohaus es bis heute noch nicht geschafft hat, ein Schutzcase dafür anzubieten.

All das kann einen stören oder nicht. Im Hinblick aber auf den äußerst happigen Preis überwiegen für mich eindeutig die Nachteile. Schade, denn die Idee fand und finde ich weiterhin klasse.

Ich habe die Zukunft gesehen und sie funktioniert nicht.     Robert Fulford, kanadischer Schriftsteller

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