Bösewichter – wirklich immer nur böse?

Die Bösewichter in meinen Geschichten sind immer eine Herausforderung. Im Gegensatz zu anderen Genre müssen sie trotz allem ein wenig sympathisch sein.

Bösewichter

Die Physiognomie des Bösen

Serienkiller sind einfach. Sie hatten ein besch***ene Kindheit, sind erhaben über Reue und Empathie und leiden unter einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Das alles qualifiziert sie, um perfekte Bösewichter darzustellen. Auf keinen Fall ändern sie plötzlich ihre Persönlichkeit, weil sie sich auf einmal verlieben oder indem sie sich selbst für irgendwas oder irgendwen opfern. Erst recht haben sie keinen tief sitzenden guten Kern, was sich Frauen offenbar gerne einreden. Das würde erklären, warum gerade diese Bösewichter tonnenweise Liebesbriefe in ihre Todeszellen geschickt bekommen. Einen Serienmörder hat es in einer meiner Geschichten trotzdem schon gegeben. Henning Mansen war der Bösewicht, den wahrscheinlich jeder Leser gut leiden konnte.

Warum mache ich es mir nur so schwer?

Ich schreibe in einem Genre, in dem die Leser Spaß haben wollen. Das bedeutet eine große Verantwortung. Ich muss selbst die gruseligsten Details in etwas verwandeln, das den Leser laut auflachen lässt. Also müssen auch meine Bösewichter zwar Schlechtes im Sinn haben, aber immer auch ein wenig gaga sein. Die verwitweten Ehemänner im Gemetzel sind dafür gute Beispiele. Aber der Grat ist schmal zwischen Irrwitz und Geschmacklosigkeit. Denn Letzteres sollte schwarzer Humor auf keinen Fall sein. Aber er darf durchaus kontrovers sein. Das Geschick, das Schlechte dem Leser so nahezubringen, dass er der Meinung ist, genau so könne er ebenfalls handeln, macht eine gelungene Geschichte in meinem Genre aus. Ganz persönliche Meinung, natürlich.

Bösewichter mal anders

Ich habe es dann gut gemacht, wenn meine Bösewichter bis zum Schluss nicht wirklich als solche zu erkennen sind. Denn das stellt den Leser vor eine interessante moralische Frage. Darf er meine Bösewichter mögen? Es stellt ihn vor das Dilemma, dass es in der realen Welt vielleicht genau so zugeht. Man sieht den Menschen in der Regel nicht an, wenn sie Bösewichter sind. Oh Schreck. Man hat davon zwar schon mal gehört, aber eventuell nicht wirklich daran geglaubt. Genau hier haben es die Autoren von Thriller tatsächlich einfacher. Serienkiller sind hundertprozentig einfach nur böse.



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